Procasa und Arbeit
Im Procasa läuft zurzeit echt alles super! Ich habe die Kinder richtig gern gewonnen und kenne inzwischen so ziemlich alle ihre Macken, weiß welches die Streithähne und die Schlichter unter ihnen sind, wer wieviel und was ist, und wer wieviel wiegt. Das kommt vor, wenn sie abends nach den Hausaufgaben nochmal richtig Dampf ablassen wollen und einen als Klettergerüst missbrauchen oder "Dame la vuelta!" verlangen(Schleuder mich im Kreis!).
Allerdings ist es gar nicht so einfach, gleichzeitig guter Freund, Aufpasser beim Spielen und Autoritätsperson für die Kinder zu sein. Ich hoffe ich habe da einen gutes Zwischending gefunden. Wenigstens verstehe ich die Jungs jetzt, wenn sie mir aufgebracht zu erzählen versuchen, wer denn jetzt eigentlich mit dem Streit angefangen und wer wen zuerst geschubst hat.
| Mädchen zum Besuch im Procasa |
Wie die meisten sicher wissen, ist dieses Wochenende Halloween. Was die meisten allerdings nicht wissen ist, dass diese "amerikanische" Tradition bloß von einem der größten mexikanischen Feiertage, nämlich dem "Día de los muertos"(1. November) stammt.
Es werden die Toten Verwandten und Freunde gefeiert und man verkleidet sich(deshalb an Halloween auch klassisch Skellet-Verkleidungen).
Am Freitag gab es dann eine kleine Feier im Procasa, wobei erst Montag der richtige Feiertag ist. Allerdings wird in Mexiko alles, genau wie Geburtstage, einfach vorverlegt, wenn der richtige Termin nicht so gut passt!
Die Jungs waren also gut drauf. Es wurde gespielt, gelacht und es gab eine leckere oaxaquenische Spezialität, deren Namen ich mir leider, wie von so vielen Essensarten nicht merken kann:
| In einer Maishülle eingefüllt: Reis-Mais-Mischung mit Mole(mexikanische Spezialität, Ur-Schokolade mit sehr viel Chile, ein wenig Kakao, Kakaobutter, kaum Zucker und mehr Zutaten, die mir nicht bekannt sind) und Fleisch(Carne). Dazu ein Getränk, das sie hier "Chocolate" nennen, aber nicht viel mit heißer Schokolade zu tun hat. Schmeckt ein wenig nach Chile, ein klein wenig nach Kakao und ein wenig nach Alkohol, auch wenn keiner drin ist. Ein äußerst starkes Getränk, dass deutschen Kindern vermutlich nicht gefallen würde, den mexikanischen allerdings schon! Sehr interessant, ein wenig gewöhnungsbedürftig aber lecker! |
Dìa de los Muertos
Am Wochende des Dìa de los Muertos(1.+2. November, wichtiger mexikanischer Feiertag) gab es nicht nur jede Menge Leckereien zu essen, sondern auch haufenweise Verkleidungen, Strassenfeste und Maskenfeiern!
Am Freitag sind wir auf den Maskenball einer Universitaet gegangen und haben uns natuerlich dementsprechend mit Masken ausgeruestet:
Am Samstag waren wir dann bei einer Freundin von Benny und Simon eingeladen, die sich ueber die oertliche Universitaet kennen(Wir drei ueben dort deutsch mit einigen Studenten). Mit einer halben Stunde Verspaetung wurden wir von der Mutter der Gastgeberin abgeholt und fuhren etwa 45 Minuten raus aus Oaxaca, in ein kleines Dorf names San Gabriel.
Dort waren wir ueberrascht, als wir durch eine grosse eiserne Doppeltuer gingen und auf ein riesiges Privatgelaende kamen:
| Da wir die ersten Gäste waren (deutsche Pünktlichkeit), mussten wir uns die Zeit mit Ching Chang Chong vertreiben. |
| Die ersten weiblichen Gäste |
| Die männlichen Gäste mit der Gastgeberin Carolina |
Alles war sehr liebevoll und mit Sinn fuers Detail verziert und geschmueckt, eine starke Soundanlage aufgebaut und die Faesser mit Corona, Sol und Indio(mexikanische Biersorten) standen bereit. Nach und nach kamen die ersten Gaeste und wir lernten mal wieder jede Menge neue Leute kennen, deren Namen wir uns leider nicht immer merken koennen.
Die Feier kam schliesslich richtig in Schwung und wir hatten einen Riesenspass, bis wir schliesslich ins "Bett"(Zelt mitten auf der Tanzflaeche) gingen, Benny etwas frueher als Simon und ich, und einschliefen. Am naechsten Morgen standen wir auf und wurden von Carolina(Gastgeberin) und ihren 5 besten Freunden grinsend begruesst und erstmal mit Kaffe versorgt.
Ich habe ehrlich gesagt noch nie einen so interessanten Kaffe getrunken und die einzige Beschreibung die mir dazu einfaellt ist: Sehr lecker!
Danach konnten wir erst die ganzen Ausmasse des riesigen Grundstueckes erkennen, da es schon dunkel war als wir am vorigen Abend ankamen:
Ein wunderschoener Ausblick auf dieBerge, Fussballfeld, Swimmingpool, jede Menge exotischer Pflanzen und dazu 25º und strahlende Sonne am Himmel.
Nachdem wir mehr oder weniger wach waren, nahm uns einer von Carolinas Freunden im Auto mit Einer auf dem Fahrersitz, zwei Personen auf dem Beifahrersitz, vier Personen auf der Rueckbank und ein etwas mueder Benny mit Lutscher im Kofferraum:
Wir fuhren ins naechst-groessere Dorf (Etla), wo wir(Carolina und wir drei) erstmal frühstückten:
lecker Frijolesbrei(Bohnenbrei) mit Tortillas, Käse, Mayonnaise und einem Stückchen Fleisch. Das ganze kostete frisch zubereitet etwa 1,80€!
Anschließend besuchten wir noch die Kirche, die uns deutlich besser gefiel als die Santo Domingo, da sie um einiges schlichter gestaltet und sehr schön war.
Fuer den Rueckweg zum Grundstueck mussten wir uns alle noch einmal ziemlich klein machen, um uns in ein Dreiradtaxi zu quetschen, das urspruenglich fuer 2 Mexikaner gedacht war. Dementsprechend hat man als 1,85m "Riese" manchmal weniger Beinfreiheit als erwuenscht, doch die Kakteen am Wegesrand, die Berge im Hintergrund und die strahlende Sonne, waren ein wunderbarer Ausgleich.
Zurueck, auf dem Grundstueck, gab es dann ein kleines Problem: Die Mauern waren mit Stacheldraht versehen, um unerwuenschte Eindringlinge fernzuhalten, doch leider hatte Carolina nicht den richtigen Schluessel dabei, um aufzuschliessen und von daher stellte der Stacheldraht nun auch fuer uns ein Problem dar!
Gluecklicherweise nutzt Carolinas gesamte Grossfamilie das Grundstueck und ihre Tante, die bereits auf einer Liege am Pool lag, konnte uns das Tor oeffnen.
Zum Glueck hatten wir an unsere Badehosen gedacht und haben nicht lange gezoegert und uns ins angenehme Wasser gestuerzt... Naja ganz so einfach war es auch wieder nicht, denn der Pool war ziemlich dreckig und Benny und ich durften erstmal eine Runde Poolboy spielen, um zumindest das groebste rauszusammeln.
Der Tag ging dementsprechend entspannt weiter, bis wir schliesslich zurueckmussten, denn wir hatten wie jeden Sonntag ein Fussballspiel im "Barrio". Fuer mich war es das zweite richtige Spiel, und mit Sonnenbrand auf den Schultern und ein wenig Kopfschmerzen nicht gerade ein Traum. Trotzdem war unser Team Honduras in Hochstimmung und gewann eiskalt 4:0 gegen den Tabellenersten(wir sind zweiter). Auf den Gewinner der 20 Teams wartet am Ende der Saison eine Siegpraemie von 15000Pesos (knapp 1000€)!
Hier noch einmal das komplette Team, mit wohl der groessten Auslaenderzahl im ganzen Barrio (4 Deutsche):
| Team Honduras! Jetzt zweiter Platz, vor dem 4:0 Sieg gegen URSE! |
Am Sonntagabend, an dem wie wir spaeter erfuhren die groesste Feier anstand, fielen wir allerdings todmuede ins Bett (bzw. ich zum 32. und letzten mal auf das Sofa!).
Nachdem wir am Montag dann schliesslich die Wohnung gewechselt hatten (Benny und ich wohnen jetzt zusammen in einer Wohnung, die vom Innenhof unserer alten Wohnung abgeht, Simon zieht am 4. November in die direkt danebenliegende Einzelwohnung), machten wir uns am Abend auf zu der Raggeaparty eines weiteren Via-Freiwilligen, der bereits sein zweites Jahr hier verbringt. Dank eines ueberaus untalentierten DJ's jedoch, blieb die Party ein wenig unterbesetzt.
Benny und ich machten uns also auf den Weg in einige Bars, um nach einer besseren Feier zu suchen, mussten aber feststellen, dass an einem der groessten Feiertage Mexikos, fast nirgendwo etwas los war. Alles hatten reingefeiert und verbrachten den Montagabend mit ihren Familien zuhause.
Naja man lernt eben nie aus und muss manchmal sehr geduldig sein. Ein weiteres gutes Beispiel hierfuer ist unsere verzweifelte Suche nach dem idealen Strassenstand fuer Hamburguesas. An einer Strassenecke verkaufte ein missmutig gelaunter Mexikaner, nachdem er uns ausgiebig gemustert hatte, einen Hamurguesa fuer 30 Pesos.
Das ist eindeutig zu teuer, denn den gibts ja bekanntlich bei McDo in Deutschland fuer umgerechnet 17 Pesos!
An der naechsten Strassenecke fanden wir dann allerdings eine froehliche Mexikanerin mit ihrem Stand, die kaum eine Minute ohne Arbeit war, da man hier 2 Hamburguesas oder 3 Hot Dogs fuer 24 Pesos frisch bekommen konnte! Naja wir haben nicht lange gezoegert und uns unser hart verdientes Abendbrot gegoennt.
Die neue Wohnung ist der Hammer. Nicht nur, dass ich jetzt ein eigenes Zimmer habe! Nein, man muss auch nicht mehr das Zimmer einer anderen Person passieren, um ins Bad zu gelangen, was nachts manchmal ziemlich nervig ist, da man ja niemanden aufwecken moechte...
Ausserdem haben wir jetzt auch 4 gleichhohe Stühle, fuer einen Tisch und koennen endlich alle zusammen essen. Das tun wir, auch wenn wir getrennt wohnen, nach wie vor jeden Abend, da es guenstiger, einfacher und kommunikativer ist.
| Mein neues EIGENES Zimmer |
| Vorher... |
| Nachher... |
Am Dienstag folgte schliesslich unser Ausflug nach Mitla; ein altes Aztekendorf, mit faszinierenden Ruinen.
Meine dortige Ausbeute, abgesehen von der faszinierenden Vielfalt an Kakteen, extrem niedrigen Eingaengen in die unterirdisch liegenden Gaenge unter den Aztekengebaeuden und -festungen sieht folgendermassen aus: 2 T-shirts, ein Mexiko-Cape, ein halber Liter Mezcalcreme, Busfahrt hin und zurueck(ca. 50km von Oaxaca-Centro entfernt), eine Kette, einen Schlüsselanhänger, Getränk und Essen, Eintritt zu den Ruinen und wahrscheinlich noch etwas anderes, was ich bereits wieder vergessen habe, für knappe 20€! Da kann man wirklich keine Beschwerde einreichen.
Mir geht es also nach wie vor rundum super und dieses Land ueberrascht mich immer wieder auf positive Weise! Ausgeraubt worden ist noch keiner von uns (allerdings schon einer unserer mexikanischen Freunde und ein anderer Via-Freiwilliger von unserem Vorbereitungsseminar).
Liebe Grüße an alle, aus dem morgens manchmal frischen, fast immer sonnigen Oaxaca!

Hallo Max
AntwortenLöschenHier ist Mona von Canada - ich war absolut ueberrarscht als ich diesen Blog fand - wunderbar!! Die Jungs lieben Dich und Deine Arbeit ist UNERSETZLICH!
Mach's gut!
Mona