Mittwoch, 22. Dezember 2010

Ausflüge und Alltag

Inzwischen sind schon gute 2,5 Monate seit meiner Ausreise vergangen. Unsere Wohnung gefällt uns super und wenn es möglich ist, werden wir vermutlich auch hier wohnen bleiben. Benny, mein ehemaliger Mitbewohner ist inzwischen in eine Gastfamilie gezogen und Simon wird bald bei mir einziehen. Dann müssen wir auch weniger pro Person zahlen!
In der Zwischenzeit haben wir noch so einiges erlebt. Einer der beeindruckensten Ausflüge war ganz eindeutig der zu "Hierve el Agua". Ein Naturschauspiel; Ein von den vielen im Wasser enthaltenen Mineralien versteinerter Wasserfall!
Das ganze mit einem unglaublichen Ausblick auf die Berglandschaft Mexikos!


Hierve el Agua


Am frühen Samstagmorgen kamen Flor, Said, Delfina und Said's Englischlehrer zu uns in die Wohnung um zu frühstücken: Es gab leckere Tlayudas (oder etwas ähnliches im Kleinformat... ich kann mir einfach nie die Namen der verschiedenen Essen merken);
Danach ging es mit dem Pick-Up von Said auf zu Hierve el Agua. Auf dem Weg dorthin gab es bereits die ersten umwerfenden Aussichten von "einfach nur Mexiko":
Flor und Said





Auf dem Weg gab es dann noch ein, zwei kleine Schockmomente... Als der Wagen auf der 1,5 Autos breiten Serpentinen-Straße sich den Berg hochschlängelte bei gefühlten 20% Steigung, auf einmal der Motor absäuft und das Auto dank der überhitzten Bremsen langsam rückwärts auf den Rand einer Serpentine zurollt, während hinter einem ein anderes Auto sich emporkämpft... Da dachte ich nur noch zwei Dinge: 1. Oh shit! 2. Hab ich eigentlich die Haustür abgeschlossen?

Naja... das Auto ist dann doch zum Stehen gekommen, wir sind ausgestiegen und haben den Bremsen eine kleine Pause gegönnt, bis wir dann ein Stückchen zu Fuß weiterliefen, während Said fuhr.
Ein noch schönerer Ausblick erwartete uns dafür auf der anderen Seite des Berges, wo wir bemerkten, dass die eineinhalb Wagen breite Straße tatsächlich für beide Richtungen gedacht war, als uns ein Wagen entgegenkam. Zum Glück gab es hier alle 200 Meter eine etwas breitere Stelle, an der man warten konnte und mit etwa 500 Metern Voraussicht war es nicht ganz so überraschend.



 












Angekommen am Ziel, war einem sofort klar, dass sich die Reise auf jeden Fall gelohnt hat. Die Aussicht war unglaublich!
Neben einem Kaktus, der ca. 5 mal so hoch war wie ich selbst, und den unglaublichen versteinerten Wasserfällen, gab es auch noch die Möglichkeit, in dem erfrischend kalten Wasser baden zu gehen und nach einigen Versuchen habe Simon und ich uns reingeschmissen. 




Während wir schließlich noch einmal zum versteinerten Wasserfall über einen kleinen Pfad liefen, haben wir es noch geschafft einen Gecko(oder was auch immer es war) zu fotografieren, allerdings brauchten wir auch dafür einige Anläufe... Es ist unglaublich, wie schnell so kleine Tiere rennen können. 




Fahrradtour; Monte Albán


An einem Samstag haben wir uns dann entschieden, zu dritt (Benny, Simon und ich) eine Fahrradtour zu machen. Ein Fahrrad für einen Tag zu leihen kostet 150 Pesos (knapp 10€). Eigentlich kostet es 50 Pesos mehr, aber da Simon schon zwei mal ein Fahrrad ausgeliehen hatte, haben wir ein "Sonderangebot" bekommen. Die Tour ging etwa 25km, über Monte Albán, einen ausgetrockneten Fluss, ein Dörfchen außerhalb von Oaxaca, und schließlich zurück ins Stadtzentrum, wobei man am Stadtrand mit Bussen und Autos um die Spur auf der Straße kämpft, und diese keinerlei Rücksicht auf Fahrradfahrer nehmen, was ziemlich schnell sehr gefährlich werden kann!

Zuerst einmal ging es jedoch aus der Stadt raus, und den Monte hoch, wobei die Steigung extrem war, und mir im zu niedriegen Gang und der dünnen Luft die Puste komplett ausging und ich das letzte Stückchen hochschieben musste... PEINLICH!


Auf der anderen Seite den Berg hinab, ging es dann wieder schnell und schön, bis sich Benny's Fahrradkette löste...




Einer der schönste Teile der Tour ging ohne Frage durch den mehr oder weniger ausgetrockneten Fluss, vorbei an einigen Hütten, wunderschönen Blumen, einem Bauern der sein Feld mit einem ziemlich altmodischen Trecker namens Ochse flügte und so manchen mehr:




 Schließlich passierten wir noch das Vorstadtdörfchen und machten einige letzte Fotos im Fahren, bis wir uns um den gefährlichen Verkehr kümmern mussten!








Procasa-Aktionen

An den ersten drei Dezember-Wochenenden gab es plötzlich jede Menge Aktionen. Neben Fußball- und Basketballturnieren fanden auch einige "Posadas" statt. Posadas sind Straßenumzüge mit Kerzen und Wunderkerzen, die die Reise Joseph's und Maria's darstellen.
Als erstes stand ein Basketballturnier an:
Die kleinen ("chicos"), in Mexiko-Trikots gegen das Jungenteam einer Schule in der Nähe in dunkelblau.




 Anschließend die großen Kinder des Procasas ("grandes") in hellblau gegen ein Mädchenheim, in dunkelblau, wobei die Mädchen zwei Jungs im Team hatten und etwa 2-3 Jahre älter waren.


Am Ende lohnte sich das Training, das jede Woche drei mal stattfand; Die chicos gewannen 12:8 und die grandes 21:12. Ein erfolgreicher Samstagnachmittag!

In der folgenden Woche gab es dann etwas Besonderes: ein Auswärtsspiel! Abgesehen von den Fußgängen zur Schule kommen die Kinder nicht sonderlich viel aus dem Heim raus und für einige war die Busfahrt zum Spiel in Rosario(eine Art Vorort bzw. Bezirk) die erste Busfahrt ihres Lebens!
Dementsprechend sah man nach der Fahrt grinsende, aufgeregte und glückliche Gesichter, während wir zum Spielfeld liefen:










Teambesprechung



Am 4. Advent gab es dann die bisher größte Aktion des Procasas: Ulysses, ein engagierter Familienvater hat eine "Posada" für das Procasa organisiert. Und tatsächlich kamen fast alle der 120 eingeladenen Gäste!

Am frühen Nachmittag ging es los mit dem Aufbauen:








Dann kommen die Gäste und es geht los:

Es wird sich für den Umzug um den Block bereitgemacht:







Einer der 10 Sterne(Estrellas), voller Süßigkeiten, der später zerschlagen wird

Ulysses, der Organisator bei seiner Ansprache
 Nach dem Umzug gab es eine Ansprache, sowohl von Ulysses, als auch von seinem Cousin. Sie erzählten über den wahren Sinn der Weihnacht und dass es hierbei um Familie und Zusammensein ginge, dass es wichtig sei, dass auch die Kinder des Procasas heute mit vielen Menschen zusammen sein können.
Nach den beiden Reden ging es los. Und zwar wortwörtlich. Die Kinder bekamen die ersten 5 Sterne zum zerschlagen. Diese wurden an einem Seil die ganze Zeit rauf und runter gezogen, sodass es für die Kinder schwer ist, den Stern mit dem Baseballschläger zu treffen.
Sobald ein Stern(aus Ton, Pappe und Kleister) zerstört wurde, ging es dann los. Alle Kinder stürzten sich sofort auf den zerstörten Stern und versuchten, soviele Süßigkeiten wie nur möglich zusammenzuklauben. Die Auseinandersetzungen wurden hierbei von Stern zu Stern krasser, bis schließlich der Zerstörer des Sterns wütend wurde, weil er nichts abbekommen hatte und mit dem Baseballschläger auf einen besonders dreisten Sammler eingehen wollte...
Doch der Streit konnte geklärt werden und schließlich waren die Erwachsenen an der Reihe. Für sie gab es einen erhöhten Schwierigkeitsgrad: die Augen wurden einem verbunden und man wurde 10 mal im Kreis gedreht. Ich wurde von den Kindern gezwungen, als erster Erwachsener anzutreten und habe den Stern zwar nicht ganz zerstört, aber wenigstens 5 mal voll getroffen... Was nebenbei bemerkt ziemlich schwer ist, wenn einem schwindlig ist, man nichts sieht und nur von dem Gebrülle der umstehenden Zuschauer weiß, wo der Stern ist. Z.B. "ariba"(hoch) oder "abajo"(runter) "derecha"(rechts) etc.... Später habe ich dann gemerkt, dass auch nur die Hälfte der Zuschauer die Wahrheit sagt, wo sich der Stern gerade befindet, während der Rest einen in die Irre führt...
Als dann der erste Stern der Erwachsenen zerstört wurde, blieb mir die Sprache weg. Erst da wurde mir bewusst, dass es hierbei nicht um die Zerstörung des Sterns ging, sondern um die bloße Dominanz bei der Süßigkeiten-Eroberung. Wirklich ALLE Altersklassen warfen sich auf den Boden um die Süßigkeiten aufzusammeln, und dabei ging es genauso wild zu wie bei den Kindern. Am Ende schubste mich eine ca. 60-jährige Dame einfach weg, um an einen der letzten Lollis zu kommen. Da war ich einfach buff und wusste nicht mehr weiter... Naja ich habe dann auch ordentlich mitgerauft und kann nicht bestreiten, dass es einen Riesenspaß gemacht hat.

Die restlichen Süßigkeiten, die nicht in die Sterne gepasst haben, wurden am Ende aufgeteilt und jeder Besucher ging mit durchschnittlich geschätzt einem guten halben kg "Dulces"(Süßigkeiten) nach Hause. So auch ich und jetzt genieße ich einige davon, während ich endlich mal wieder einen Blogeintrag schaffe.
Ich wünsche allen eine frohe Weihnacht und wo auch immer in der Welt ihr seid, genießt es!